Zeit verschenken

Einen Teil seiner Zeit verschenken ...

...lautete die Überschrift eines Presseartikels über die ehrenamtliche Mitarbeit im „Netzwerk kleiner Hilfen“ in einer hiesigen Tageszeitung. Das war im Dezember 2006, und die Formulierung sprach mich an. Das Netzwerk suchte Personen, die älteren und hilfsbedürftigen Menschen und deren Angehörigen auf verschiedenste Art das Leben erträglicher machen und es verschönern.
Zeit hatte ich genug, denn damals genoss ich seit einem halben Jahr meinen Altersruhestand. Gesundheitlich und wirtschaftlich fühlte ich mich in der Lage mich einzubringen. Durch die Betreuung meiner pflegebedürftigen Mutter - zuletzt in einem Seniorenheim – hatte ich
Einblick in die Lebenssituation vieler älterer Menschen erhalten.
Also begab ich mich in die Informationsveranstaltung des Netzwerks, um genauere Auskünfte über die Art und die Bedingungen der ehrenamtlichen Arbeit bekommen. Anfangs waren da doch noch Zweifel und Fragen: Wie komme ich mit fremden hilfsbedürftigen Menschen zurecht? Finde ich Zugang zu ihnen? Akzeptieren sie mich? Oder: Die regelmäßige Betreuung schränkt mich in meiner gerade erst gewonnenen grenzenlosen zeitlichen Freiheit ein. Will ich das überhaupt?



Den Ausschlag gab ein kurzes Gespräch mit einem mir bekannten Arzt in der Runde, den ich sehr schätze. Er sagte zu mir: „Wenn Sie hier mitarbeiten, werden Sie bald erkannt haben, dass Sie viel mehr zurück bekommen als Sie geben.“ Der Mann hatte und hat Recht.
Inzwischen betreue ich seit mehr als zwei Jahren ein Ehepaar. Der Mann wurde aus seinem sehr aktiven Leben, das aus vielen Hobbys und Reisen bestand, durch einen Schlaganfall auf seine vier Wände zurück geworfen. Einmal in der Woche machen wir nun zu dritt Ausflüge in die nähere Umgebung, sei es um die Natur zu genießen, eine Stadt zu besichtigen oder auch nur um einige Besorgungen zu erledigen.
Und was bekomme ich nun zurück? – „Die ganze Woche freuen wir uns schon auf den Mittwoch; das ist der schönste Tag!“ Das sagt genug.
Ich selbst erfreue mich auch an den Spaziergängen: Sie führen uns in Gegenden und Orte unserer Region, die ich sonst nie der Beachtung würdig befand – und die doch so wunderschön sind!
So habe ich mir denn vorgenommen, weiter für das „Netzwerk kleiner Hilfen“ zu arbeiten, so lange meine Lebensumstände es erlauben.

Horst Büker, Kirchlengern