Eine Stunde Hilfe . . .

„Netzwerke kleiner Hilfen“ an den Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford

„Eine Stunde Hilfe ist besser als 10 Tage Mitleid“
Dieses rumänische Sprichwort stand über dem Zeitungsartikel, mit dem im Jahr 2000 die Diakoniestation Rödinghausen das erste Mal für die Netzwerkidee warb: Gesucht wurden damals engagierte Mitbürger, die bereit waren, ältere und in ihrer Gesundheit und Beweglichkeit eingeschränkte Menschen ehrenamtlich zu begleiten und zu unterstützen, Einsamkeit zu mildern und pflegende Angehörige zu entlasten.
„Schon bald konnte dort die Arbeit mit rund acht freiwilligen Mitarbeitenden beginnen“, erinnert sich Pfarrerin Sigrun Potthoff, die die Netzwerk-Idee aus dem Ruhrgebiet mit in ihre neue Tätigkeit an den Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford brachte. Die Pflegedienstleitung Hannelore Seckfort nahm die Anregung als erste für den Raum Rödinghausen auf und gründete zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Erdmute Ukley das erste „Netzwerk kleiner Hilfen“ in der Region.
Seitdem zieht die Idee Kreise im Kirchenkreis Herford: Knüpften im Jahr 2002 zunächst auch die beiden Herforder Diakoniestationen an Netzwerken zur Unterstützung älterer Menschen und pflegender Angehöriger, so folgte im April 2004 die Gründung von „Bürger für Bürger - Netzwerk kleiner Hilfen in Bünde“. In Kooperation der beiden Diakoniestationen mit dem Arbeitskreis für Behinderung und Pflegeberatung entstand hier in kürzester Zeit die größte Gruppe freiwillig engagierter Menschen, in der erfreulicherweise auch zahlreiche Männer mitarbeiten. Das jüngste Netzwerk entstand im darauf folgenden Jahr, diesmal an der Diakoniestation Kirchlengern – Löhne-Nord.

Ob es einem Menschen im Alter gut geht, hängt nicht nur von seinen finanziellen Möglichkeiten und seinem Gesundheitszustand ab. Die Lebensqualität im Alter und bei Behinderungen wird entscheidend von der Einbindung in ein sozialen Netz und der Möglichkeit geprägt, am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen. Die professionelle Pflege ist das Metier der Diakoniestationen, doch für alles, was im Rahmen der Pflegeversicherung keine Berücksichtigung findet, aber zu einem fröhlichen und ganzheitlichen Leben dazugehört – Geselligkeit und Gespräche, Feste und Unternehmungen, kleine Hilfen und Aufmerksamkeit -, dafür brauchen die Diakoniestationen freiwillig Mitarbeitende. Dabei sind auch die pflegenden Angehörigen im Blick:




Sie leisten oft Unglaubliches und können durchaus einen Nachmittag in der Woche gebrauchen, um einmal in Ruhe und ohne Zeitdruck etwas zu unternehmen. Durch den Einsatz der Netzwerkler gewinnen sie ein wenig Luft und wissen ihren Angehörigen dann in guter Gesellschaft.
Willkommen sind deshalb in der Netzwerkarbeit Menschen, die gern mit anderen ins Gespräch kommen, Lebensgeschichten austauschen, die gern spazieren gehen oder vorlesen, Korrespondenz erledigen oder zum Einkauf begleiten. Pflegerische Tätigkeiten oder Aufgaben, die in den Bereich rechtlicher Betreuung gehören, sind ausgeschlossen. Auch Menschen, die bereits in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen begleiten, können sich den Netzwerken anschließen, ohne neue Verpflichtungen übernehmen zu müssen.

„Freiwillige Arbeit soll Freude bereiten, und jedes Netz muss gepflegt werden. Deshalb ist die angemessene Vorbereitung und Begleitung der Netzwerkteilnehmer für uns eine Selbstverständlichkeit.“, so Rolf Eikötter und Susanne Pott vom Netzwerk in Bünde. Die Gruppen treffen sich einmal im Monat an den jeweiligen Diakoniestationen, um Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu pflegen und neue inhaltliche Impulse zu erhalten. Es gibt regelmäßig Angebote zur gezielten Fort- und Weiterbildung, Unkosten werden erstattet und für die Dauer der freiwilligen Tätigkeit besteht Versicherungsschutz.
„Bei allem steht der Respekt vor den zeitlichen Möglichkeiten und den Interessen der Freiwilligen bei uns an erster Stelle.“, betonen die Verantwortlichen.
„Einen Nachmittag in der Woche nehme ich mir Zeit für den Besuch bei einer alten Dame. Aber wer meint, ich gebe nur, der irrt. Ich bekomme genauso viel zurück. Jedesmal werde ich herzlich erwartet und genauso sehr vermisst, wenn ich einmal absagen muss,“ sagt eine der Ehrenamtlichen. Und eine andere ergänzt: „Der erste Besuch wird von der Diakoniestation vermittelt und begleitet, danach organisieren Netzwerkler und Besuchte ihre weiteren Treffen selbst. Ich arbeite selbstständig und habe gleichzeitig die Sicherheit: Im Notfall ein Anruf bei der Station und jemand vom Pflegepersonal kommt raus.“

Weitere Informationen über die Netzwerkarbeit gerne bei:
Sigrun Potthoff,
Pfarrerin i. E. an den Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford,
Tel.: 05221 – 928058